Gesundheit

Wochenbettdepression erkennen und entgegen wirken

Eine Wochenbettdepression ist eine Sonderform von depressiven Störungen, die in den ersten zwei Jahren nach der Entbindung bei Eltern auftreten können. Besonders Mütter sind hiervon betroffen. In 70 % aller Fälle beginnt die Wochenbettdepression in den ersten zwei Wochen nach der Geburt. Als Ursache der Wochenbettdepression wird vor allem die schnelle Hormonumstellung nach der Geburt angenommen.

Was passiert bei einer Wochenbettdepression?

Für die meisten Mütter kommen Wochenbettdepressionen vollkommen aus dem Nichts. Die meisten Betroffenen berichten, dass sie sich neun Monate lang auf das Baby gefreut haben und auch von den Strapazen der Geburt nicht überdurchschnittlich stark beeinträchtigt wurden. Dennoch kommt es durchschnittlich ein bis zwei Wochen nach der Geburt zu starken Weinkrämpfen und hohen Schuld- oder Versagensängsten.

Dieses Phänomen wird als Wochenbettdepression oder auch postpartale Depression bezeichnet.

INFO: Circa 10-20 % aller Mütter und 4 % aller Väter sind in Deutschland von dieser Erkrankung betroffen, wobei die Dunkelziffer deutlich höher geschätzt wird.
Die gesellschaftliche Stigmatisierung von Wochenbettdepressionen führt dazu, dass viele Frauen sich nicht trauen, ihre Probleme anzuerkennen und sich professionelle Hilfe zu suchen.

Weitere Symptome der Wochenbettdepression sind Traurigkeit, Energiemangel, ein inneres Leeregefühl, ambivalente Gefühle gegenüber dem Neugeborenen, Hoffnungslosigkeit, Desinteresse, Kopfschmerzen, Teilnahmslosigkeit, Herzbeschwerden, Zittern, Schwindelanfälle, Schlafstörungen, Panikattacken, extreme Reizbarkeit und in schweren Fällen auch Suizidgedanken. Bei 54 % der Frauen, die an einer Wochenbettdepression leiden, treten zusätzlich Zwangsgedanken auf. Diese Symptome sollten dringend ernst genommen und von Ärzten oder Psychologen behandelt werden.

Bild Depression

Gibt es eine Ursache für die Wochenbettdepression?

Wie bei vielen psychischen Erkrankungen gibt es nicht eine einzelne Ursache, sondern viele Faktoren, die die Entstehung einer postpartalen Depression begünstigen. Grundsätzlich kommt es nach einer Geburt zu einer massiven Umstellung des Hormonspiegels. Vor allem die Hormone Östrogen und Progesteron sinken nach der Geburt rapide ab, während Prolaktin für die Milchbildung produziert wird. Dieser hormonelle Wechsel führt zu starken Stimmungsschwankungen, Müdigkeit und höherer Empfindsamkeit und wird als Baby-Blues bezeichnet.

Circa 80 % aller Mütter sind hiervon betroffen, merken aber nach ungefähr sieben Tagen, wie die Symptome abklingen und sich der Hormonhaushalt reguliert. Diese körpereigene Regulation findet bei Müttern, die an Wochenbettdepressionen leiden, nicht statt. Verschiedene Risikofaktoren können begünstigend darauf wirken, dass der Baby-Blues nicht nach einer Woche aufhört. Darunter zählen bereits bestehende psychische Erkrankungen wie Depressionen, Zwangsstörungen, Sozialphobien, Panikstörungen oder Agoraphobien.

ACHTUNG:Auch psychische Erkrankungen innerhalb der näheren Verwandtschaft lassen das Risiko, an einer Wochenbettdepression zu erkranken, steigen.
Besonders Frauen, die in der Vergangenheit traumatische Erfahrungen gemacht haben oder an einer PTBS erkrankt sind, haben ein erhöhtes Risiko für eine Wochenbettdepression. Neben psychischen Prädispositionen zählen auch belastende Lebenssituationen zu den Risikofaktoren. Darunter fallen soziale Isolation, geringe Lebensqualität, partnerschaftliche Probleme, Armut oder mangelnde Unterstützung von außen. Auch Persönlichkeitseigenschaften wie ein starken Kontrollbedürfnis oder hoher Perfektionismus sind gefährend für eine postpartale Depression.

Ebenso kann ein Mangel an Schilddrüsenhormonen, wie es bei einer Schilddrüsenunterfunktion vorkommt, dazu führen, dass depressive Symptome oder Angst und Panikattacken in den ersten Tagen nach der Geburt besonders intensiv auftreten. Auch Frauen, die am prämenstruellen Syndrom leiden, haben eine erhöhte Wahrscheinlichkeit, an postpartalen Depressionen zu erkranken im Vergleich zu Frauen ohne prämenstruelles Syndrom.

Wie lässt sich eine Wochenbettdepression behandeln?

Die Prognose von Wochenbettdepressionen ist sehr gut, sobald diese erkannt und behandelt werden. Sogar unbehandelt verschwinden die Symptome bei den meisten Patientinnen nach einigen Wochen. Da bei schweren Fällen der Wochenbettdepression jedoch die Gefahr eines Suizides oder Infantizides, einer Tötung des Neugeborenen, vorliegt, sollte eine postpartale Depression immer behandelt werden. Ein Infantzid ist allerdings extrem selten.

INFO: Meistens ist eine stationäre Behandlung notwendig, um die Mutter in ihrer Situation zu entlasten und gemeinsam mit dem Kind versorgen zu können.
In einer stationären Behandlung kann den betroffenen Eltern durch Psychotherapie, Musiktherapie, Kunsttherapie, naturheilkundlichen Therapien und systemischer Familientherapie geholfen werden. Es existieren auch Spezialambulanzen, die auf die Behandlung von postpartalen psychischen Störungen ausgelegt sind.

Bild Eltern mit Baby

Lassen sich Wochenbettdepressionen präventiv vermeiden?

Wichtig im Kontext der Wochenbettdepressionen ist vor allem eine gezielte Präventionsarbeit bei vorbelasteten Frauen. Damit Frauen sich trauen, bei Problemen mit Wochenbettdepressionen nach der Geburt Hilfe in Anspruch zu nehmen, müssen sie bereits im Vorfeld über die Erkrankung informiert werden. In vielen Einrichtung, bei Hebammen und Gynäkologen wird bereits gezielt über die Wochenbettdepressionen informiert, um die gesellschaftliche Stigmatisierung zu vermindern.

Das Bild einer überglücklichen und dankbaren Mutter prägt weiterhin das gesellschaftliche Verständnis von Geburt. Erkrankt eine Frau an einer Wochenbettdepression, traut sie sich häufig nicht, ihre Traurigkeit, ihre Antriebslosigkeit und ihr Unglück zuzugeben, da diese Eigenschaften gesellschaftlich das Bild einer sogenannten Rabenmutter charakterisieren. Tatsächlich sind jedoch viele Frauen vom der postpartalen Depression betroffen und die Erkrankung ist bei Ärzten und Psychologen seit langer Zeit bekannt.

Besonders Frauen, die bereits vor der Geburt mit Depressionen zu kämpfen hatten, können im Vorfeld etwas stärker aufgefangen werden. Das kann dadurch geschehen, dass sie und ihr Partner darauf achten, dass die Mutter nach der Geburt viel Schlaf bekommt, wenig Besuch empfängt, um sich auszuruhen und das Baby besonders stark durch das Klinikpersonal und den Partner betreut wird.

Bildernachweis:
Titelbild – Mutter mit Baby im Bett Urheber: oksun70 / 123RF Standard-Bild
Depression Urheber: CC0 Public Domain-Pixabay.com
Eltern mit Baby Urheber: CC0 Public Domain-Pixabay.com

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