Gesundheit

Hilfeschreie der Seele: Psychosomatische Erkrankungen

Wenn Betroffene mit körperlichen Beschwerden wie Herzrasen, Tinnitus oder Verdauungsproblemen zum Arzt gehen, wird in erster Linie nach körperlichen Ursachen der Erkrankung gesucht. In 70 Prozent der Fälle liegt jedoch eine psychische Erkrankung wie Stress oder Angst vor, die sich durch körperliche Symptome äußert. Dies nennt man psychosomatische Erkrankung. Welche Symptome auf eine psychosomatische Erkrankung hinweisen können, lesen Sie hier.

“Es ist der Geist, der sich den Körper baut.” – Friedrich Schiller

Unsere Psyche hat mehr Macht über den eigenen Körper als viele glauben oder wissen. Geht es der Seele gut, geht es Ihnen meist auch körperlich gut. Sind Sie gestresst, kommen meistens auch körperliche Beschwerden wie Kopfschmerzen oder Magenschmerzen hinzu. Die Menschen haben diesen Zusammenhang bereits früh erkannt und in berühmte deutsche Redensarten verpackt.

“Das Herz schlägt mir bis zum Hals” – psychosomatische Herzprobleme

Jeder hat bereits die Erfahrung gemacht, dass das Herz in freudigen Situationen oder bei Nervosität schneller schlägt. Dies kann bei Dauerstress oder Ängsten ebenso der Fall sein und dies regelmäßig. Der Betroffene hat das Gefühl, das Herz rast, stolpert oder schlägt ungleichmäßig. Wenn durch ein Langzeit- EKG organische Ursachen ausgeschlossen werden können, spricht man von einer Herz- Angst- Neurose. Oft spielen auch Herztode in der Familie oder im Bekanntenkreis eine Rolle, die im Kopf des Patienten eine große Trauer auslösen oder die Angst, selbst davon betroffen zu sein.
Die Behandlung setzt somit psychotherapeutisch an. Der Betroffene erörtert gemeinsam mit dem Therapeuten, welche Belastungen und Ängste vorhanden sind. Diese werden allmählich abgebaut. Dazu kommt der Rat der körperlichen Bewegung, um das Herz zu stärken und Herzrasen durch fehlende Fitness entgegenzuwirken.
Von dieser psychosomatischen Erkrankung sind deutlich mehr Männer als Frauen betroffen. Bei den meisten anderen sind Frauen im Durchschnitt in der Überzahl.

“Das schlägt mir auf den Magen”, “Ich schlucke alle Probleme” – psychosomatische Magenerkrankung

Stress und psychische Belastungen verändern bei den meisten Menschen automatisch das Essverhalten. Viele Menschen essen nebenbei schnell auf dem Weg zum nächsten Termin und dann meist Fettiges oder Süßes. Auch zu Hause gibt es oft schnelles Essen vom Lieferservice oder Tiefkühlpizza. Einige Menschen essen kaum und unregelmäßig und dabei auch nicht ausgewogen. Die Folge sind oft Magenschleimhautentzündungen oder Sodbrennen, die regelmäßig auftreten und Schmerzen verursachen. Auch ein Reizdarm, der sich durch Verstopfung, Durchfall und Blähungen äußert, kann entstehen.
Als Therapie erfolgt eine Ernährungsumstellung, kombiniert mit schmerzlindernden Tabletten, regelmäßiger Bewegung und einer Psychotherapie, die darauf abzielt, die Ursache der Probleme zu finden und dafür zu sorgen, dass Sorgen offen angegangen und Stress abgebaut wird.

“Ich habe zu viel um die Ohren” – psychosomatischer Tinnitus

Tinnitus äußert sich als Summen, Pfeifen, Rauschen, Knacken oder Klingeln. Er kann dauerhaft sein oder nur zeitweise auftreten. Die Betroffenen hören ihn meistens nachts, da Hintergrundgeräusche wegfallen und sie sich auf die Geräusche konzentrieren können. Das führt häufig zu einem Teufelskreis, da das Geräusch das Einschlafen verhindert und sich der Stress dadurch steigert. Der fehlende Schlaf stresst Körper und Geist erneut, was zu einem verstärkten Tinnitus führt.
Können keine körperlichen Ursachen gefunden werden, werden Ursachen wie Lärm und Stress ins Auge gefasst. Die Therapie zielt darauf ab, Lärm zu reduzieren und den Stress durch einen veränderten Lebensrhythmus und Entspannungsübungen abzubauen. Wichtig ist zusätzlich, Methoden zu entwickeln, mit den Ohrgeräuschen umgehen zu lernen. So werden sie reduziert und verschwinden im besten Fall komplett.

“Mir platzt der Kopf” – psychosomatische Kopfschmerzen und Migräne

Patienten, die unter Migräne leiden, reagieren oftmals bei starken Emotionen mit einem Migräneanfall. Dieser entsteht durch überreizte Nerven, die den pochenden Schmerz auslösen. Oft helfen nur starke Schmerzmittel und absolute Ruhe. Daneben sind Kopfschmerzen meistens Folge von Verspannungen aufgrund zu starker Anspannung im Nacken- und Rückenbereich.
Therapiert wird nach Abklärung fehlender körperlicher Erkrankungen mit Entspannungsübungen, Bewegung und Training, wie man sich in emotionalen Situationen selbst beruhigen kann, um einen Migräneanfall zu vermeiden oder wenigstens zu lindern.

“Es geht mir auf die Nerven” – psychosomatische Schmerzen

Überreizte Nerven führen zu Schmerzen, die chronisch werden und überall zeigen können. Meistens treten die Schmerzen in Gelenken, im Rücken oder Kopf auf. Die Nerven und Muskulatur sind durch Stress oder Ängste ständig angespannt, was zu Verspannungen, Verhärtungen und Schmerzen führen kann.
Therapeutisch ist Entspannung ein wichtiger Baustein. Die Betroffenen sollen mit speziellen Übungen die betroffenen Körperstellen trainieren und in Anspannungssituationen gezielt Anspannung vermeiden. Darüber hinaus wird die Ursache der nervlichen Belastung analysiert und versucht zu lösen.

“Mir fehlt der Boden unter den Füßen” – psychosomatischer Schwindel

Auch Schwindel kann psychische Ursachen haben. Plötzlich fühlen sich die Betroffenen unsicher beim Laufen und Stehen. Es entsteht meistens ein Teufelskreis, da die Schwindelanfälle oft Angst auslösen, die den Schwindel verstärken.
Sind keine körperlichen Ursachen wie Kreislauferkrankungen zu diagnostizieren, sollten psychotherapeutische Maßnahmen getroffen werden. Indem Stress, Sorgen und Ängste im Leben aufgespürt werden, können Lösungen erarbeitet werden, damit der Schwindel verschwindet.

“Du hast aber eine dünne Haut” – psychosomatische Hauterkrankungen

Schuppenflechte und Neurodermitis verstärken sich oft in psychisch belastenden Situationen. Dies zeigt, wie sehr die Haut auf Stress und Belastungen reagiert. Viele Menschen merken auch, dass sich Pickel bei Stress vermehrt zeigen.
Hier greift auch wieder eine Kombinationstherapie. Die betroffenen Hautstellen werden mit Cremes oder Medikamenten behandelt und gleichzeitig versucht, Stress abzubauen. Dies geschieht durch Entspannungstraining innerhalb und außerhalb des Stresses.

Wenn Sie sich krank fühlen, denken Sie daran, nicht nur nach körperlichen Ursachen zu suchen, sondern auch an mögliche psychische Faktoren zu denken. Notieren Sie vor einem Arztbesuch mögliche Stressfaktoren in Ihrem Leben oder ob Sie unter anderen psychischen Belastungen leiden. Dann kann Ihnen auch schneller geholfen werden.

Bildernachweis:

Titelbild Image by Gerd Altmann / Pixabay

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