Gesundheit

Welches sind die stärksten Schlaftabletten ohne Rezept?

Von Ein- und Durchschlafstörungen ist ein Großteil der Bevölkerung betroffen. Besonders in Phasen hoher psychischer Belastung kann Schlaflosigkeit ein zusätzliches Problem werden. Viele wollen nicht gleich ärztlichen Rat einholen und probieren zunächst Schlaftabletten ohne Rezept aus. Die Wirksamkeit dieser Präparate ist jedoch höchst unterschiedlich, und nicht alle sind bedenkenlos anwendbar. Ein Überblick über die Ursachen von Schlaflosigkeit und was man dagegen tun kann.

Schlafstörungen und ihre Ursachen

Fast jeder kennt das: man wälzt sich abends im Bett hin und her, doch trotz Müdigkeit gelingt das Einschlafen nicht. Mitunter können Stunden vergehen, bis man endlich Schlaf findet, und beim Aufwachen fühlt man sich wie gerädert. In anderen Fällen gelingt zwar das Einschlafen, man wacht aber nachts immer wieder auf. Durch die wiederholte Unterbrechung der nächtlichen Ruhephase ist man morgens nicht ausreichend erholt, Erschöpfung und Konzentrationsmangel dominieren dann den Tagesablauf.

Die Folgen solcher Ein- und Durchschlafstörungen sind nicht nur unangenehm, sondern mitunter sogar gravierend: länger andauernder Schlafmangel führt zu gesundheitlichen Problemen und erhöht das Risiko für bestimmte Krankheiten.

Schlafstörungen haben immer Ursachen. Beruflicher oder privater Stress, Alkohol, Koffein und Medikamente sowie Erkrankungen wie Depressionen zählen zu den häufigsten. Oft kann man ein leichteres Einschlafen und eine verbesserte Qualität des Schlafes schon durch ein paar einfache Maßnahmen erreichen.

Zu diesen zählen beispielsweise:
  • regelmäßige körperliche Betätigung (nicht direkt vor dem Schlafengehen!)
  • ein gut gelüftetes, abgedunkeltes und eher kühles Schlafzimmer
  • kein schwer verdauliches Essen vor dem Einschlafen, aber eine kleine, leichte Mahlzeit einnehmen – hungrig schläft man nicht gut!
  • vor dem Schlafengehen eine “Auszeit” nehmen, Ruhe finden, eventuell Entspannungsübungen machen
  • mindestens 30 Minuten vor dem Schlafengehen Fernseher, Computer und andere elektronische Geräte in Nähe des Bettes ausschalten

Manchmal ist es allerdings unumgänglich, dem Schlaf nachzuhelfen. Der Wunsch, dabei zunächst auf Schlaftabletten ohne Rezept zurückzugreifen, ist nachvollziehbar. Bevor man den Gang zum Hausarzt antritt, gibt es einige frei erhältliche Präparate, die man ausprobieren kann. Die Einnahme sollte allerdings auch bei den meisten rezeptfreien Schlafmitteln auf einen kurzen Zeitraum beschränkt bleiben. Wer über längere Zeit an Schlafstörungen leidet, sollte diese unbedingt ärztlich abklären lassen.

Bild Schlaftabletten

Schlaftabletten ohne Rezept- wirkt das überhaupt?

Als Schlafmittel (Hypnotika) gelten alle Substanzen, die den Schlafvorgang fördern, indem sie die Aktivität des Wach-Systems im Gehirn reduzieren. Je nach Substanzklasse können sie auch beruhigend, krampflösend und/oder betäubend wirken. Es sind pflanzliche wie synthetisch hergestellte Präparate erhältlich, die sich in ihrer Wirksamkeit und auch in ihren Nebenwirkungen erheblich unterscheiden.

Vorweg: obwohl durchaus wirksame Schlaftabletten ohne Rezept verfügbar sind, die effektivsten Hypnotika sind ausnahmslos verschreibungspflichtig. Das liegt daran, dass die meisten von ihnen ein großes Abhängigkeitspotential besitzen und deshalb nur unter ärztlicher Kontrolle und für einen kurzen Zeitraum eingenommen werden sollten. All diese Präparate haben auch mehr oder weniger starke Nebenwirkungen, vor allem, wenn sie unsachgemäß dosiert werden. Überdosierungen können vor allem aufgrund der Wirkung auf das Atemzentrum lebensbedrohend sein.

Im Prinzip kann bei allen gängigen Schlafmitteln zwischen kurzer und längerer Wirkdauer unterschieden werden. Kurz wirksame Hypnotika haben den Vorteil, dass sie keinen “Hangover” am Folgetag verursachen.

Ob Schlaftabletten ohne Rezept überhaupt wirksam sind, eher nur einen entspannenden Effekt haben oder tatsächlich nicht besser wirken als Placebos, ist umstritten. Auch bei den Schlaftabletten ohne Rezept gibt es Unterschiede in der Wirkweise und bei der Herstellung. Am bekanntesten sind sicher pflanzliche Präparate, allen voran der Baldrian. Gebräuchliche natürliche Schlafmittel sind auch Zubereitungen mit Extrakten aus Passionsblume, Melisse und Hopfen. Zu den synthetisch hergestellten rezeptfreien Hypnotika zählen Antiallergika aus der Substanzklasse der H1-Antihistiminka.

Bild Passionsblume

Zubereitungen aus Baldrian, Passionsblume, Melisse und Hopfen

Baldrian gilt als das natürliche Schlafmittel schlechthin. Als Arzneimittelzubereitung wird er oft mit anderen natürlichen Wirkstoffen, denen schlaffördernde Wirkung nachgesagt wird, gemischt. Keine dieser Substanzen wirkt ausgeprägt sedierend oder schlaffördernd. Bei ausreichend langer Einnahme sollen aber ein gewisser Entspannungseffekt und eine beruhigende, ausgleichende Wirkung eintreten. Ein guter Teil davon dürfte dem Placeboeffekt zuzuschreiben sein.

Es existieren keine Studien, die die schlaffördernde Wirksamkeit von Baldrian ausreichend belegen, trotzdem schwören viele Schlaflose auf Schlaftabletten ohne Rezept auf Baldrianbasis – am besten mit dem Zusatz “forte”. Zur Behandlung von Schlafstörungen wird eine tägliche Dosis von mindestens 3 bis 4 mg Baldrianwurzelextrakt über einen Zeitraum von zwei bis vier Wochen empfohlen. Gewöhnungseffekte sind keine bekannt, Nebenwirkungen nur bei extremer Überdosierung zu erwarten.

Bild schlaflose Frau

H1-Antihistaminika

Es existieren mehrere Antihistaminika dieser Klasse, die eigentlich als Mittel gegen allergische Reaktionen entwickelt wurden. Sie alle wirken, in dem sie an Histaminrezeptoren vom Typ I binden und so die Wirkung des Histamins blockieren. H1-Rezeptorantagonisten der ersten Generation wirken auch auf das Zentralnervensystem und verursachen dadurch Schläfrigkeit. Diese eigentlich unerwünschte Nebenwirkung führt dazu, dass sie als Antiallergika kaum mehr verwendet werden. Sie haben aufgrund dieser Wirkung aber eine gewisse Bedeutung als Schlafmittel erlangt. Es existieren gut zwanzig Wirkstoffe aus dieser Wirkstoffgruppe, nur einige davon sind rezeptfrei zu beziehen. Die beiden bedeutendsten sind Diphenhydramin und Doxylamin. Ein weiterer, Meclozin, ist in der Wirkung sehr ähnlich, aber in Deutschland seit 2007 nicht mehr am Markt.

Diphenhydramin wird als Beruhigungsmittel sowie gegen Übelkeit und Erbrechen eingesetzt, in intravenöser Verabreichungsform auch zur Sedierung vor bestimmten Untersuchungen. Der Wirkstoff ist in zahlreichen frei erhältlichenPräparaten enthalten und bei einer Dosierung bis 50 mg rezeptfrei. Zur Schlafförderung sollten 50 mg 30 – 15 Minuten vor dem Schlafengehen eingenommen werden. Mögliche Nebenwirkungen sind Mundtrockenheit, Lichtempfindlichkeit und Sehstörungen, seltener auch Schwindel, Durchfall, Erbrechen, Kopfschmerzen und Muskelschwäche.

Doxylamin ist ein stark sedierendes Ethanolamin, das ebenfalls nicht mehr als Antihistaminikum eingesetzt wird. Es ist unter anderem zur Kurzzeittherapie von Schlafstörungen zugelassen. In Tablettenform ist es unter zahlreichen Handelsnamen erhältlich. Die empfohlene Einzeldosis ist 20 mg. Es sind zahlreiche Nebenwirkungen bekannt, unter anderem Kopfschmerzen, Depressionen, Muskelschwäche, Tinnitus und paradoxe Symptome wie Unruhe, Verwirrtheit und in seltenen Fällen Halluzinationen. Ebenso gibt es nicht wenige Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln, weshalb bei Einnahme ohne ärztliche Verschreibung besondere Vorsicht geboten ist.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Wirksamkeit von Schlaftabletten ohne Rezept begrenzt ist. Präparate mit pflanzlichen Inhaltsstoffen müssen über einen längeren Zeitraum eingenommen werden, um eine hauptsächlich entspannende Wirkung zu entfalten. Sie eignen sich nicht als schnell wirksame Einschlafhilfe, können aber positiv zur körperlichen und psychischen Erholung beitragen.
Arzneimittel aus der Gruppe der Antihistaminika haben dagegen eine deutliche schlaffördernde Wirkung, die auch recht schnell einsetzt. Sie sollten jedoch nur über kurze Zeit eingenommen werden, da Gewöhnungseffekte relativ rasch auftreten. Unerwünschte Neben- und Wechselwirkungen sind vor allem bei längerer Einnahme und/oder höherer Dosierung wahrscheinlich.

Bildernachweis:
Titelbild – schlafende Frau Urheber: CC0 Public Domain-Pixabay.com
Schlaftabletten Urheber: CC0 Public Domain-Pixabay.com
Passionsblume Urheber: CC0 Public Domain-Pixabay.com
schlaflose Frau Urheber: bialasiewicz / 123RF Lizenzfreie Bilder

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